Last Updated:
Source: Unsplash / STOP EXTREMISM

Extremismus und Radikalisierung im Islam – Eine arabische Perspektive

Michael Laubsch

Die Radikalisierung von Menschen hin zu extremistischen Positionen, seien sie politisch motiviert oder aber religiös, betrifft nicht nur Europa, sondern ist bereits seit Jahrzehnten eine eminente Gefahr für die Länder des Nahen und Mittleren Ostens.

In den westlichen Ländern haben sich – besonders seit der großen Flüchtlingswelle vor vier Jahren – die Gesellschaften immer weiter polarisiert: Ängste vor einer Islamisierung Europas, Überfremdung, oder einfach, weil einige Gruppierungen – angestachelt von Rechts- und nationalistischen Populisten – erneut eine Minderheit zum Sündenbock machen wollen; neben antiislamischer Hetze belegt auch der neu aufkommende Antisemitismus diese Annahme.

Unsere Gesellschaften sind gefordert, keine Frage: Die Bildung von Parallelgesellschaften, Integrationsprobleme besonders in moslemischen Kreisen, Fehlentwicklungen im Schul- und Bildungsbereich, eine beginnende Ghettoisierung von Bevölkerungsgruppen sind Zeichen dafür, dass einerseits unsere Integrationsbemühungen teilweise gescheitert sind oder nicht effektiv waren, andererseits aber auch islamische Interessengruppen, Moscheeverbände, importierte Hassprediger einen Islam vertreten, welcher sich gegen unsere Grundwerte richtet, MitbürgerInnen radikalisiert, Antisemitismus verbreitet und unsere Rechtsordnung nicht mehr anerkennen will.

Muslimbrüder und andere islamistische Vereine wiederum haben sich eine etwas andere Strategie zurecht gelegt, indem sie unsere Gesellschaften von innen heraus verändern wollen; anders als Salafisten oder islamistische Imame profitieren sie von der Anerkennung im Westen, erhalten Unterstützung von westlichen Institutionen, werden gar von manchen Parteien in Europa hofiert. Dies ändert aber nichts an ihrer eigentlichen Zielsetzung: Ihren Machtanspruch, basierend auf einer antiquierten Interpretation des Koran und anderer Schriften, auch in Europa umzusetzen.

Der öffentliche Diskurs in Europa zu Extremismus und Radikalisierung auf religiöser Basis sollte viel stärker auch Stimmen von Stimmen aus den moslemischen Ländern einbringen, denn Ursachen und Analysen zu extremistischen Tendenzen im Islam und seinen Gesellschaften von arabischen ExpertInnen, die sich offen als Gläubige identifizieren, unterscheiden sich nicht von denen der meisten europäischen WissenschaftlerInnen.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Studien von MENA Monitor (veröffentlicht in arabischer, englischer, deutscher und französischer Sprache), einem arabischen Thinktank, der offen über die aktuellen Probleme im Islam spricht. Hier einige Ausschnitte aus einer Studie, die sich mit den Ursachen und historischen (Fehl-)Interpretationen des politischen Islam auseinandersetzt.

„The realm of Islamic organizations is completely introvert and egoistic, whereas the realm of extremism is a real manifestation of this ideology. The world is full of egoistic religious sects and their egoistic thoughts usually put them in a complete isolation. However, the dilemma starts when one of these extremist groups decides that it is authorized and assigned to impose its thoughts and religious interpretations on the society they live in.“

“On the edge of knowledge” is a policy by which the young are rehabilitated in a way that keeps them with specific amount of knowledge. Islamic organizations play the trick by convincing the young that they are in the right place and at the right time in the progression of history. This is the crucial point in depriving those young people from their free will. Followers of Sufism, Salafism and Muslim Brotherhood, who consider themselves as true representatives of Muslims, strongly believe that they have the right version of Islam. They claim to have a real project for powerful Islam, which has been waiting time for a resurrection.“

„The political program of political Islam, whether with Al Qaeda or the Islamic State in Iraq and Sham ISI, is no more than a full package of religious scripts that cover all aspects of life. But all these religious scripts are only to cover the political projects of these organizations. Religious scripts are only a framework that incubates the political aims, especially when we know that the interpretations of these religious scripts is always liable for change as per requested by upcoming interests and political maneuvers.“

Es wird also Zeit, dass wir vermehrt Stimmen aus der islamischen Welt hören. Dadurch können wir den von Moslembrüdern, Salafisten beeinflussten moslemischen MitbürgerInnen zeigen, dass ihre Religion eine friedfertige, tolerante und pluralistische ist. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, denjenigen Europäern, die von Populisten verblendet wurden, einen anderen Islam zu zeigen.